2025 - ein Jahr zum Luftanhalten und Durchatmen
- elisabethwachter
- 21. März
- 4 Min. Lesezeit

Wenn wir an das vergangene Weinjahr 2025 zurückdenken, dann tun wir das mit gemischten Gefühlen. Aber erst einmal Schritt für Schritt.

Für das Weinviertel fast schon üblich, beginnt das Jahr zu trocken und zu warm.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Reben zeigen sich deutlich in der zunehmenden Anzahl von Rebstöcken, die Symptome der Holzerkrankung Esca aufweisen. Dieser Pilz ist latent in der Rebe vorhanden und breitet sich mit dem Alter und dem Gesundheitszustand des Stocks merklich aus. Hitze und Trockenheit setzen die Reben unter Stress und fördern die Ausbreitung des Pilzes. Jeder Stock wird bei Erkennung der Symptome markiert und nach dem Rebschnitt sofort aus dem Weingarten entfernt.

Die warmen Temperaturen setzen sich fort, und wir befürchten erneut einen verfrühten Austrieb, da die hohen Temperaturen im März bereits den Frühling ankündigen und Erinnerungen an das Spätfrostjahr 2024 wachrufen.
Glücklicherweise fallen die Temperaturen im April erneut, und es setzt herbstlicheres Wetter ein. Tatsächlich gibt es Anfang April noch drei Frostnächte, die aufgrund der verzögerten Austriebe keinen Schaden an den Trieben verursachen.

Das kühlere und nasse Wetter verschiebt den Austrieb auf Mitte April und wir beginnen unsere Laubarbeiten Ende des Monats in der Junganlage.
Der Mai verläuft weiterhin untypisch nass und wir sind sehr bemüht die Pflanzen gesund durch diese kritische Pilzinfektionsphase zu bringen. Das etwas gebremste Wachstum kommt uns aber bei der Handarbeit zu Gute und wir können mit dem Vegetationsverlauf Schritt halten.

Wie untypisch früh und heiß das Vorjahr 2024 verlaufen ist zeigt uns die vergleichsweise normale Entwicklung der Rebe im Jahr 2025. Die Rebhauptblüte beginnt wie gewohnt erst im Juni. Glücklicherweise verlaufen die Nächte sehr kühl und wir der Pilzdruck während der Blüte sinkt trotz feuchter Bedingungen etwas.
Obwohl die Rebe keine Bestäuberinsekten für die Fruchtbildung benötigt, zieht ihr Duft dennoch Schwebfliegen und andere nützliche Insekten an. Wahrscheinlich, um trotzdem einen Vorteil daraus zu ziehen, diese nützlichen Helfer um sich zu versammeln.

Wir sind guter Dinge, schließen die Laubarbeiten ab und beginnen die Trauben auszudünnen. Zweigelt und Grüner Veltliner werden halbiert, um die Traubengesundheit und die optimale Reife bis zur Lese zu erhalten. Hätten wir zwei Wochen in die Zukunft sehen können, dann wären wir mit der Ausdünnung und der vielen Handarbeit anders umgegangen.
Ende Juli trifft ein verheerendes Hagel-Unwetter unsere Rieden und schlägt mit kräftigem Westwind alle Beeren einseitig auf. Zweigelt, Grüner Veltliner, Weißburgunder und Riesling sind zu 30 Prozent betroffen, die Junganlage ohne schützende Laubwand zu 70 Prozent.

Nicht nur aufgrund der bisherigen vielen Handarbeitsstunden, sondern auch vor Angst um die Gesundheit der Trauben und den fehlenden Erträgen fließen bei uns ein paar Tränen. Nach dem vergangenen Spätfrostjahr sehen wir uns wieder mit einer großen Herausforderung konfrontiert.
Auch wenn ein Hagelereignis erst zum zweiten Mal seit den 90er Jahren unsere Flächen schädigt, in Zeiten der Klimakrise werden wir uns auf solche katastrophalen Ereignisse vermehrt einstellen müssen.

Glück im Unglück hatten wir mit dem Zeitpunkt des Unwetters. Ein kühlerer Juli und der Entwicklungszustand der Trauben ermöglichten es uns mehrmals mit Backpulver die offenen Beeren auszutrocknen und Pilzen keinen Nährboden zu bieten. Im August zeigte sich bereits ein gutes und gesundes Bild.
Die Ertragsverluste mussten wir jedoch in Kauf nehmen. Besonders die Aussichten auf die erste Ernte Muscaris und Donauveltliner sind durch den enormen Schaden getrübt, dennoch möchten wir die Trauben getrennt keltern und ausbauen.

Etwas überraschend zeigt sich Muscaris bereits Ende August in vollster Reife. Und auch unser Donauveltliner wartet bereits darauf in unsere Keller gebracht zu werden.
Der heiße August läutet im Jahr 2025 bereits im Sommer die Weinlese ein, was uns mit den Vorbereitungen in der Kellergasse unter Zugzwang bringt.
Mit jeweils einer vollen Lesekiste pro Rebsorte haben wir jedoch noch nicht all zu viel Arbeit vor uns. Und tatsächlich schließen wir unsere Jungfernlese an dem Tag ab, an dem während der Abendstunden große Niederschläge ins Weinviertel kommen und die Reifegrade der übrigen Trauben verwässern.


Die Arbeit verlagert sich erst einmal in die Presshäuser. Im Laufe des Septembers fallen 100 mm Niederschlag, was für unsere trockene Region reichlich und nach einem trockenen August auch ergiebig ist.
Dennoch stellt uns die Situation vor eine herausfordernde Lesezeit, da wir immer wieder an trockenen Tagen versuchen, die Traubengesundheit und Reifung zu beobachten und die optimalen Lesezeitpunkte einzuplanen.
Wir legen eine Woche fest, in der wenig Regen erwartet wird, und füllen jeden Tag unsere Kisten.

Wir verbringen Tag und Nacht mit lesen und anschließender Arbeit im Keller, bis wir Ende September mit den letzten Grüner Veltliner Trauben unsere Arbeit in den Weingärten beenden.
Auch hier fällt uns ein Stein vom Herzen, da zunehmend Stare schwärmen und auch die Kirschessigfliege in diesem Jahr gute Bedingungen zum Leben vorfindet.

Trotz geringerer Erträge keltern wir wieder unseren ORANGE und lassen den Grüner Veltliner Löss und Eiche mit Beerenkontakt vergären.
Die tatsächliche Menge Donauveltliner war schlussendlich zu wenig, um ihn in die Flasche zu bringen. Aber unseren Muscaris möchten wir unbedingt als Jungfernlese präsentieren.
Die Weine vergären besonders kühl und wir möchten die vielversprechende Aromatik durch die kühlen Septembernächte noch stärker ausprägen.

Die Weine des Jahres 2025 weisen endlich wieder angenehme Säurewerte auf, enthalten weniger Alkohol und besitzen eine ausgeprägte Aromatik, die sich durch alle Sorten hindurchzieht.
Das klimatisch moderate Jahr lässt uns wieder etwas durchatmen und war durch optimale Reife auch für unseren Orange wieder äußerst wohltuend. Lediglich die geringen Mengen bei Muscaris und Donauveltliner heben die Erwartungen an das Weinjahr 2026, in dem wir dann auch wirklich groß mit unseren neuen Sorten durchstarten möchten.

Am Ende sei dem Hagel verziehen, dass er dem ansonsten so schönen Weinjahr etwas die Show gestohlen hat.
Im Rückblick ist alles genau richtig, wie es war, und das verleiht uns die Gelassenheit, dass wir auch in diesem Jahr vieles bewältigen werden.
Doch zunächst möchten wir auf den außergewöhnlichen Jahrgang 2025 anstoßen. Wir sind davon überzeugt, dass jede Entscheidung, jeder Handgriff und jede Emotion, die wir im vergangenen Jahr durchlebten, in unserer Interpretation des Weinjahres 2025 spürbar ist.




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